| Mader Müller und Wünschen Müller
Zwischenzeitlich hatte sich auch der junge Wünschen
Müller in Praskowitz am Rande des Dorfes eine Mühle mit Motorantrieb
gebaut und nun ebenfalls die Bauern, die bei ihm das Getreide dazu abgeliefert
hatten, mit Brot versorgt. Außerdem besorgte er den Bauersfrauen
zu Weihnachten Als die ersten Autos aufkamen, fuhr die Wünschen Müllerin auch gleich mit so einem neumodischen Gefährt das Backwerk im Ort und in der Umgebung aus. Die junge Frau konnte aber anfangs nicht gleich richtig fahren, und der Müller hatte allerhand Ärger, weil seine Gattin deshalb im Dorfe manches Maleur angerichtete. Die Bauern waren darüber zeitweise so erbost, dass sie den Müller schon verklagen wollten. Der Löbel Bauer rief damals auf dem Dorfplatz gar empört: "Ihr Leute seid auf der Hut, wenn die Müllerin mit dem Automobil um die Ecken herumfahren tut! Meinen Hoftorpfeiler und ein andermal gar noch meinen Gartenzaun hat sie schon mitgenommen.!" Im Dorfe sind auch anfangs etliche Gänse und sogar des Gastwirts Hund unter ihre Räder gekommen. "So was lassen wir uns nicht länger gefallen", murrten die Leute". Bei einem Umtrunk des Müllers und mit den Bauern im Gasthaus zur Krone ist dann nach dem Mottto "Ich gebe einen aus!" alles wieder in s rechte Lot gekommen". Es dauerte noch eine Zeit - einige Male musste der Müller weiteren Schaden bezahlen und sich sogar wieder ein anderes Auto kaufen - aber irgendwann hatte die Müllerin das Fahren dann gelernt und die Bauern waren wieder zufrieden.
Lydia Radestock, im Februar 2003 |